Der Bruder

Ein eingeschriebener Brief, den der Postbote eines Morgens abliefert, verändert das Leben von Filip in radikaler Weise: Sein Bruder Robert, der in Argentinien aufgewachsen sei und heute in Australien lebe, meldet sich. Von einem verschollen geglaubten Bruder aber wusste Filip bis jetzt nichts, nur von einer Schwester, die als Kind bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Auf Vorschlag Roberts treffen sich die beiden Brüder in Filips früherer Lieblingskneipe. Wie aber konnte der Argentinier wissen, dass das Lokal mit Namen Brioni Roberts Stammkneipe gewesen war? Roberts Interesse gilt einem teuren Collier der gemeinsamen Mutter, sein Hass den gemeinsamen Eltern, die ihn für den Preis dieses Colliers einem befreundeten Paar verkauft haben sollen. Die beiden Brüder sitzen sich im Brioni gegenüber, erzählen sich ihre Leben, zeigen sich Bilder aus ihren so unterschiedlich verlaufenden Kindheiten während Filips Eifersucht zunimmt: Sein verschollener Bruder, auch er ein Schriftsteller, hat mehr und umfangreichere Bücher als er veröffentlicht. Auch hat er mehr von der Welt gesehen, die spannenderen Erfahrungen gemacht, an friedlicheren Orten gelebt als im vom Bürgerkrieg heimgesuchten Serbien. Der Bruder aus Argentinien krempelt Filips Leben während ihrer ersten und einzigen Begegnung um. Erzählt wird Filips Geschichte von dessen bestem Freund, auch er ein Schriftsteller. Hervorragend aus dem Serbischen übersetzt von Mirjana und Klaus Wittmann ist der Roman einer doppelten Identitätssuche, der keine Absätze aber viel schwarzen Humor kennt.

David Albahari, Der Bruder. Erschienen bei Schöffling & Co., Frankfurt a. M.
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