Die verleugnete Herkunft

In seinem Buch «Meine Väter» geht der Schweizer Autor Martin R. Dean der Geschichte seines aus der Karibik stammenden Vater nach. In ihrem gleichnamigen Buch geht die deutsche Autorin Barbara Bronnen den unglaublichen Windungen der Lebensgeschichten ihres Grossvaters Ferdinand Bronner und ihres Vaters Arnolt Bronnen nach. Der veränderte letzte Buchstabe im Familiennamen ist Hinweis auf eine verheimlichte jüdische Herkunft ihres Vaters, eines Schriftstellers, der mit Nazigrössen wie Joseph Goebbels befreundet war und den eigenen leiblichen Vater in einem Vaterschaftsprozess verleugnete, um die jüdische Herkunft zu kaschieren und so mit einem arischen angeblichen Vergewaltiger seiner Mutter zu überleben. Bronnens Grossvater wurde in der kleinen Stadt Auschwitz geboren, lange bevor diese als Todesfabrik eingerichtet wurde. Bronnens Vater wandelte sich vom Anpasser an das Dritte Reich zum Kommunisten in der DDR. Reisen an jene Orte, in denen ihre Familie gelebt hat, Tagebucheinträge ihres Grossvaters, ein Erinnerungs- und Rechtfertigungsbuch ihres Vaters und die Befragung von lebenden Zeugen führen die Autorin immer näher an die unglaubliche und jahrzehntelange totgeschwiegene wahre Geschichte ihrer Vorfahren väterlicherseits.

Barbara Bronnen, Meine Väter, Insel Verlag, Berlin.
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