Bugatti taucht auf – Dea Loher

Es kommt nicht oft vor, dass sich ausländische Autoren in einem Roman einem Thema in der Schweiz zuwenden: Die bekannte deutsche Bühnenautorin Dea Loher schildert in ihrem Roman «Bugatti taucht auf» ein Verbrechen, das sich im Winter 2008 in Locarno (Bild) ereignet hat. Ihr im Wallstein Verlag erschienener Roman figuriert auf Platz 2 der SWF Bestenliste des Monats Mai 2012. Zwei Handlungskreise verknüpft Dea Loher miteinander, denen beiden reale Begebenheiten zugrunde liegen: Ein junger Mann wird während der Fasnacht 2008 in Locarno von einer Gruppe Jugendlicher geschlagen, getreten und schließlich umgebracht. Aber je minutiöser die Rekonstruktion der Tat aus dem Puzzle der Zeugenaussagen versucht wird, umso schillernder und unschärfer wird, was wirklich (und warum) geschehen ist. Die oder den Schuldigen zu finden ist trotz der klaren Beweislage schwieriger als gedacht, und gesühnt ist die Tat damit bestenfalls ansatzweise. Ein Freund der Familie des Opfers sucht einen anderen Weg: Er erinnert sich an ein Autowrack, das seit 75 Jahren auf dem Grund des Lago Maggiore liegt: Ein Bugatti Brescia 22. So sagt man wenigstens. Alle bisherigen Versuche der Bergung waren nicht von Erfolg gekrönt. Und nun wird das Tauchen in die Tiefen auch der eigenen Abgründe ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang. Dea Lohers Roman zeigt, dass das Tessin, kein Paradies mehr ist.

Dea Loher,
Bugatti taucht auf, Wallstein Verlag (Göttingen) ISBN 978-3 8353-1054-4
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