galoot (ausgesprochen «galut», hebräisch für exil),
ein film von asher de bentolila tlalim (israel/gb 2003)

der israelische filmregisseur asher de bentolila tlalim und seine frau ronit leben in london in einem vorübergehenden exil. ronit studiert, während ihr mann die gelegenheit wahrnimmt, in london einen neuen film zu drehen. ausgangspunkt seines films sind begegnungen mit ronits palästinensischen studienkollegen, mit chaled und amjad, mit denen asher im gespräch ist. das gemeinsame thema der palästinenser und israelischer freunde des paars, dem saxophonisten und autor gilad atzmon sowie den israelischen journalisten efrat und boaz, ist: das leben im ausland, das leben ausserhalb der eigenen heimat, das leben im exil. der israelische regisseur erkennt, wie schwer es ist, unfreiwillig im ausland zu leben, er lernt die realität der palästinenser anhand ihrer erzählungen kennen. er begibt sich in die ursprungsorte der beiden exilierten palästinenser in israel und erlebt, wie sehr sich deren ehemalige heimat verändert hat: hier sind keine spuren des früheren palästinensischen lebens mehr zu erkennen. amjads heimatdorf chrjia liegt unter der grössten müllhalde israels, chaleds dorf faludscha musste der israelischen stadt kirjat gad weichen, wo heute keine araber mehr leben. trotzdem fordern hier sprayinschriften, die araber mögen vertrieben werden. das führt regisseur asher de bentolila tlalim dazu, seine frühere nordafrikanische heimatstadt tanger und die heimat der vorfahren seiner frau, krakau, zu besuchen. auch hier sind die spuren der früheren präsenz von menschen getilgt. chaleds familie war einst wohlhabend, die realität als flüchtlinge ist nur schwer zu akzeptieren, die familie chaleds lebt in erinnerungen, aus den erinnerungen heraus, und erträgt die realität kaum. aus der begegnung mit der geraubten heimat tanger und mit der früheren heimat polen heraus beginnt sich filmemacher de bentolila tlalim mit seinen palästinensischen gesprächspartnern zu identifizieren, er erlebt ähnlichkeiten in ihren geschichten. erst ausserhalb seiner heimat begreift der regisseur die psychischen wunden der palästinenser, die den wunden der vertriebenen juden nicht unähnlich sind. ein plädoyer des regisseurs lautet: man muss der geschichte des anderen gut zuhören, wenn man ihn verstehen will. zu lange hat man sich auf beiden seiten nicht mit der geschichte des anderen auseinandergesetzt, sagt musiker gilad atzmon. wer den anderen verstehen will, müsste sich in seine schuhe stellen, sagt chaled. man muss einander nicht lieben, aber zu verstehen versuchen. das heisst auch, den «palästinensischen feind» nicht nur als grausamen selbstmordattentäter sehen, sondern als eine ebenfalls verzweifelte person, die unter einem schmerzhaften verlust leidet. die tragödien beiden völker weisen nämlich gemeinsamkeiten auf.

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