Uriel Orlow: Auf der Suche nach Nebenschauplätzen der Geschichte

Uriel Orlow, aus Zürich stammender Künstler, der seit zwanzig Jahren in London lebt, zeigt bis Ende August im Museum Centre Pasquart in Biel Arbeiten aus den letzten Jahren. Es ist seine erste Einzelausstellung in der Schweiz. Orlow interessiert sich für Momente der Geschichte, die in Vergessenheit geraten sind, seine Arbeiten handeln von historischen Nebenschauplätzen und unbeachteten Ereignissen im Schatten grösserer Ereignisse. Mit der Videokamera stösst er immer wieder auf Phänomene, die er anderen erzählt. Da folgt er in seiner Arbeit «1942 (Poznan)» einem Schwimmer in einem Hallenbad, begleitet dessen Schwimmbewegungen mit dem Gesang eines Mannes, bis plötzlich klar wird, dass dieses Schwimmbad früher als Gebetshaus gedient hat. Bei einem Aufenthalt im ägyptischen Port Said entdeckt er den leeren Sockel eines Denkmals und geht der Geschichte der Figur, die einst hier in Bronze zu sehen war, nach. Orlow ist ein Sammler von gelebten Erinnerungen, wenn er Matrosen und Schiffsoffiziere aufsucht, deren Schiffe nach dem Sechstagekrieg acht Jahre lang im Suezkanal steckengebelieben waren. Eine Olympiade von Gestrandeten im Grossen Salzsee, Briefmarken, die auf den vierzehn stecken gebliebenen Frachtern gezeichnet und gedruckt wurden, Briefe aus der Zeit der politisch erzwungenen Quarantäne zeigt er in Biel ebenso wie Wohnmaschinen, die in der einstmals sowjetischen Stadt Musch errichtet und dann doch nie mehr fertig gestellt wurden.

Informationen über Uriel Orlows Arbeiten auch: www.urielorlow.net
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