Mord auf dem Bauernhof
Flavio Steimann, Bajass

Der Luzerner Autor Flavio Steimann legt nach 10 Jahren wieder ein Buch auf, aus dem er an den Solothurner Literaturtagen 2015 vorliest. Eine Geschichte, die irgendwo im bäuerlichen Milieu auf dem Land in der Schweiz Ende des 19. Jahrhunderts und auf dem Auswandererschiff nach Ellis Island spielt. Polizeiermittler Albin Gauch ist daran, einen Doppelmord zu klären. Der Fall gestaltet sich nicht leicht. Die Bauern schweigen, die Indizien sind spärlich. Armut herrscht auf dem Land. Was als Krimi beginnt, erweist sich als eine fein ziselierte Beobachtung ländlichen Lebens. Steimanns Sprache ist reich an wunderbaren Begriffen, die man heute nicht mehr hört, die sich aber bei der Lektüre erschliessen. Wo hat man in letzter Zeit Ausdrücke wie Geländekerbe, Büttel, Sarger, Prosketur, Kasel, Manipel, spelzig, Tampen, Wellendrilling, Schranz, Luftmensch und Häuteljude gehört oder gelesen? Eine vergilbte Fotografie, ein Schuhabdruck und ein Knopf führen Ermittler Albin Gauch in seinen Recherchen weiter. Auf dem Schiff nach Amerika löst sich sein Fall. Ein Buch manchmal wie ein Film mit breiten Bildern und mit Parallelen zu heute, wo Menschen zu Migranten werden, wo Armut sie dazu zwingen, ihre Heimat zu verlassen.

Flavio Steimann, Bajass, Nautilus, 2014, Hardcover 128 Seiten

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