Der Bestatter als Sprachzerleger
Kai Weyands schräger Roman vom dreibeinigen Hund und von der Backwarenverkäuferin

Mit und im März fängt alles an. Und mit November schliesst das Buch an Weihnachten. März heisst eine Bäckereiverkäuferin. Und November ist der Name eines dreibeinigen Hunds. Nies, dessen Taufname Dionysos ist, und der sich in der Bäckerei nur von Frau März bedienen lässt, nennt sich selbst seitdem seine Eltern im Lotto gewonnen und zum Wegzug nach Kanada entschlossen haben, nur noch NC, was ‚No Canadian’ heisst. Während sein älterer Bruder Bernd erfolgreicher Banker in London wird, bringt es NC zuerst bis zum Hausmeister und dann zum Angestellten eines Leichenbestatters. Der Ton unter den Leichenbestattern und deren Umgang mit den Toten nimmt derart komische Formen an, dass man beim Lesen über das Bestattungswesen mit seinen Sarg- und Urnenkategorien immer wieder ins Lachen gerät. Und dann taucht der alte Bronikowski auf, ein toter Schauspieler, der es schafft, aus seinem Sarg heraus zu katapultieren und als Toter auf der Vorderbank des Leichenwagens zwischen NC und dem kasachischen Gewichtheber Viktor zur letzten Ruhestätte zu fahren. NC ist ein Sprachzerleger, der zwischen der Silbenanzahl von Namen und Menschen Zusammenhänge sieht. Ein Buch voll von schwarzem Humor, in dem Lebensträume zerplatzen.

Kai Weyand: Applaus für Bronikowski
Wallstein Verlag, 2015, 188 Seiten

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