Literarische Short-cuts

Da kommt ein Buch daher ohne Klappentext und man ist neugierig, weil der Autor seinen Verleger ausdrücklich darum gebeten hat, auf eine Zusammenfassung zu verzichten. Ganz nebenher wechselt in Wolf Wondratscheks Roman „Mittwoch“ ein Hundert-Euro-Schein den Besitzer. Manchmal fast unbemerkt. Der Geldschein verbindet wunderbar leicht und elegant geschriebene Sequenzen eines Buchs, in dem die Hauptpersonen ebenso wechseln wie die Orte, an denen sie leben. Wondratschek stellt seinem Roman einen Satz von Jorge Luis Borges vor, dem er selber nachlebt: „Er liess seinen Geist schweifen, und er gab diesem Geist die Gestalt vieler Personen“. Ein Mechaniker, ein Gastwirt, eine Dirne, ein Coiffeur, eine Musikerin reichen sich hier jeweils kurz die Hand, um sich anschliessend nicht mehr im Buch zu kreuzen. Man kommt sich wie im Kino vor, schaut den Figuren auf Malta, in Stalingrad (eben nicht in St.Petersburg) und in deutschen Kleinstädten zu, die einzig durch die Weitergabe der Geldnote verbunden sind. Unmerklich wechseln die Erzählperspektiven von einer dritten Person in die erste, die gerade ein Selbstgespräch führt und die dritte Person beobachtet. Gewöhnungsbedürftig und bereichernd. Unbedingt lesen! Der Titel? „Es ist ein Mittwoch“. So beginnt das Buch. So einfach ist das.

Wolf Wondratschek, Mittwoch, Jung und Jung, Salzburg, 2013

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