Erschienen in «berner schule» 10/2007; Oktober 2007


Die Schule macht Gutes.
Sie könnte aber mehr darüber berichten

Schulen stehen im Blickfeld der Öffentlichkeit. Über Schule meinen viele, sie könnten kompetent mitreden. Schließlich waren alle mal in der Schule. Wie bequem ist es, alles auf die Schule abzuschieben: Die Schule soll die Probleme der Familie lösen. Die Schule soll etwas Sozialarbeit machen. Die Kinder sollen in der Schule beschäftigt werden. Wenn ein Kind nicht reüssiert, dann liege es an der Lehrerin, am Schulhaus oder an den Ausländerkinder. Die Erwartungen an die Schule sind so vielfältig. Und sie können häufig nicht erfüllt werden, weil sie zu hoch gesteckt sind.

Lehrerinnen und Lehrer haben lange Ferien. Lehrerinnen und Lehrer können alle drei Jahre bequem das Unterrichtsmaterial von vor drei Jahren aus der Schublade hervorziehen und wieder einsetzen. Lehrerinnen und Lehrer können es sich am Mittwochnachmittag bequem machen. An den anderen Tagen können sie schon um vier, spätestens um fünf Uhr freimachen. Das sind – zugegebenermassen falsche - Teilbilder, wie Schule wahrgenommen wird.

Die Schule ist anders

Dabei ist Schule so anders. Unterrichten ist mehr als Stoff vermitteln, Unterrichten ist anstrengend. Zum Unterrichten gehören Wissen, Ausdauer, Empathie, Führungsqualität, ständige Auseinandersetzug mit dem gesellschaftlichen Wandel und kontinuierliche Wissensvermehrung. In der Schule passiert viel Gutes. Aber viele Erwachsene wollen das nicht zur Kenntnis nehmen. Und von vielen Schulen erfährt man zu wenig. Das Bild, das sich viele von der Schule machen, ist häufig so alt wie die Schulhäuser, in denen unterrichtet wird.

Die Schule muss besser informieren

Die Schule muss daher mehr, kontinuierlicher und besser informieren. Schulen sind von Steuerzahlern abhängig. Schulen werden zunehmend von anderen Schulen konkurrenziert. Für den Entscheid einer Familie (und mancher Betriebe), sich an diesem oder jenem Ort niederzulassen, spielt auch die Qualität einer Schule mit sowie das Bild, das man sich in der Öffentlichkeit von der Schule macht. Deshalb sollten nicht nur die Eltern der Schüler über die Schule, über ihre Anliegen, Pläne und Arbeitsweise informiert werden: Informationen über die Schule sollten auch Kreise ausserhalb der direkt Betroffenen erreichen. Lehrerkollegien sollten sich mit folgenden Fragen auseinandersetzen: Wie tragen wir stetig dazu bei, damit sich das Bild unserer Schule verfestigt, allenfalls auch verändert? Worüber könnten wir die Öffentlichkeit informieren? Wie lauten Ziele unserer Informationsarbeit? Welche Methoden gibt es, um Informationsarbeit zu betreiben? Wie könnte der Zeitplan unserer Informationsarbeit aussehen? Denn mit einer einmaligen Information, mit den herkömmlichen Schulblättern, mit Berichten über Sporttag und Schullager und mit einer statischen Homepage ist es allemal nicht getan.

Die Schule macht Gutes

Die Schule macht nämlich Gutes. Und sie könnte mehr darüber berichten. So lautet mein Fazit nach Besuchen in Schulhäusern, die ich als nicht pädagogisch Tätiger ziehe. Mir fällt auf, dass nur wenige Schulhäuser über Informationskonzepte verfügen. Richtlinien für Information und Kommunikation findet man nur vereinzelt in Schulhäusern. Und was, wenn ein unerwarteter Bedarf an Kommunikationsarbeit besteht, weil sich ein Verbrechen auf dem Schulhausareal ereignet hat, ein Unfall auf einer Schulreise erfolgt ist, eine Lehrperson entlassen wurde, ein Schüler relegiert werden muss? Dann sind Schulbehörden und Schulleitungen bei Fragen, die Medienschaffende und Publikum stellen, erst recht überfordert.

Schulleitung und Lehrerschaft sowie Schulkommission sollten mit guter Information und Kommunikation nach innen und nach aussen ihre Ziele, ihr Handeln und die Gründe dafür darlegen. Das soll wahr und sachlich, klar und empfängerorientiert, kontinuierlich und systematisch erfolgen. Informationsarbeit erläutert den Auftrag der Schule und beschreibt, was die Schule kann und macht. Informationsarbeit hat sich heute nach innen und aussen zu richten.
Eine sorgfältige Informationsarbeit im Innern fördert sowohl ein Vertrauensklima als auch die Leistungsmotivation der Lehrerschaft. Innengerichtete Informationsarbeit in Schulhäusern richtet sich an das Kollegium, an die Schülerinnen und Schüler, an die Hauswarte, an die Eltern sowie an die Schulbehörden, sie fördert das Selbstvertrauen einer Gemeinschaft. Mit ihrer aussengerichteten Informationsarbeit kann die Schule ihre Beziehungen zur Öffentlichkeit fördern und Grundlagen für ein Verständnis ihrer Aufgabenstellungen vermitteln. Die Nachbarschaft, die politischen Behörden, Partnerinstitutionen wie Berufsberatung und weiterführende Schulen gehören hierher, die Einwohnerschaft und die Medien.

Es gibt viel zu tun im Bereich der Informationsarbeit von Schulen. Doch wer kann das leisten? Und wer ist dafür vorbereitet oder geschult worden? In der Regel ist Informationsarbeit an Schulen Sache der jeweiligen Schulleitung, die aber heute schon mit so vielen Aufgaben betraut ist und nicht entsprechend geschult wurde und daher im Informationsbereich überfordert ist. Das hat zur Folge, dass Informationsarbeit von Schulen häufig wenig professionell ist. Schnell heisst es daher verständlicherweise auch: Über unsere Schule gibt es nicht viel zu berichten. Und ebenso schnell bleibt Informationsarbeit der Schule bei der Vorstellung des nächsten Schultheaters oder Sporttages haften. Dabei ist der Strauss möglicher und spannender Themen, über welche Schulen berichten könnten, so gross. Schulgremien müssten sich nur regelmässig Zeit nehmen, um über jene Themen nachzudenken, mit denen die Öffentlichkeit über Schule konkret informiert werden könnte.

Und wie könnten die neuen Themen lauten, mit denen aus dem Schulhaus oder aus dem Schulzentrum informiert wird? Wer könnte die Informationsarbeit machen? Wie sehen die Richtlinien für die Informationsarbeit aus? All das wären Themen für Schultagungen, Weiterbildungstage, Retraiten, Ferienkurse. Um in einer Zeit, in der gute Schulen auch zum Bild von Gemeinden gehören, sollten Gemeindebehörden sich dieses Themas annehmen. Jeder grössere Verein informiert heute, jede kleinere Organisation hat heute ihren Informationsbeauftragten. Wo bleiben da die Schulen?
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