Basler Zeitung, 29. September 2004


Im Garten der Künste
Daniel Spoerri im Kunsthaus Grenchen

Ein Bahnhof auf der SBB-Achse St.Gallen-Genf: Wer hier aussteigt, muss nur die Strasse überqueren und befindet sich bereits beim Kunsthaus Grenchen, wo Daniel Spoerri eine Schau seines berühmten Giardino zeigt.

Drei ganz besondere öffentlich zugängliche Künstlergärten bieten sich als Reiseziele in der Toskana an. Nikki de Saint Phalles berühmter Garten, der Garten des Schweizer Künstlers Daniel Spoerri sowie der weniger bekannte Garten des Burgdorfer Plastikers Paul Wiedmer La Serpara in Civitella d’Agliano. Mit der Gestaltung des Tarotgartens am Südrand der Toskana erfüllte sich die Künstlerin Nikki de Saint Phalle vor Jahren einen großen Wunsch. Heute ist dieser Ort ein Anziehungspunkt für viele Menschen, welche die Verspieltheit, die sich da einen vergänglichen manifesten Ort geschaffen hat, erleben wollen. Paul Wiedmers Museumspark ist als dauerhafte Institution angelegt, die mit jährlichem Zuwachs durch die Aufstellung einiger neuer Arbeiten von Paul Wiedmer so wie durch Gastvorstellungen und Dauerleihgaben eingeladener Künstlerfreunde an Kontur gewinnen. Gleichzeitig wächst der botanische Garten als natürliche Staffage mit und verleiht der Anlage die Großzügigkeit, welche die Skulpturen erst ins richtige Licht setzt.

In Seggiano in der Toscana hat der Schweizer Künstler Daniel Spoerri in einem 16 ha grossen Park einen Skulpturengarten mit 79 Werken von 38 Künstlerinnen und Künstlern eingerichtet. Der Skulpturengarten , jedes Jahr von rund 4000 Kunstfreunden aufgesucht, steht im Zentrum der 160m2 umfassenden Ausstellung „Kleines Raritätenkabinett der Künstler im Giardino di Daniel Spoerri“ im Kunsthaus Grenchen. Spoerri gibt hier einen Einblick in die Entstehungsgeschichte des Gartens und der Kollektion, er zeigt die Schönheit der Anlage, die durchaus auch im Winter besuchenswert ist, er präsentiert Entwürfe einzelner Kunstwerke, die eigens für den Park geschaffen wurden und legt eine umfangreiche Korrespondenz sowie Fotografien auf.

Spoerri hat für seinen Park keinen Kurator angestellt, einzig er bestimmt, welche Werke welcher Kunststudenten und welcher Künstlerfreunde in seinem Giardino aufgestellt werden. Eva Aeppli, Bernhard Luginbühl, Dieter Roth, Herbert Distel, Meret Oppenheim, Nam June Paik, Jean Tinguely, Dani Karavan, Roland Topor und Toskananachbar Paul Wiedmer gehören zu den „Mitwirkenden“. Wer die von Vreni Stoob gestaltete Museumszeitung auf der Rückfahrt von Grenchen liest, weiss: Die Gärten der Nikki des Saint Phalle, Paul Wiedmers und Daniel Spoerris sind lohnenswerte Sehenswürdigkeiten einer Toskanareise.

Die Ausstellung im Kunsthaus Grenchen dauert noch bis 3. Oktober. Siehe auch:
www.danielspoerri.org
www.nikidesaintphalle.com
www.serpara.net
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