Education Permanente, août 2004


Musées – de la contemplation au divertissement

Aujourd’hui, cafétéria et shop sont part intégrante des musées, ces lieux de collection. Les musées sont des endroits où l’on se rend pour regarder. Sont-ils aussi des lieux d’apprentissage et de divertissement? Oui, on peut y apprendre, affirme l’auteur, satisfait des connaissances ainsi acquises par son fils les dimanches de pluie, ou par lui-même, lorsque, enfant à Amsterdam, il écoutait, avec sa classe, assis par terre devant un tableau, les dames qui guidaient les enfants des écoles. La Suisse est le pays qui possède le plus de musées par habitant. Pratiquement chaque thème a son musée. Il existe à Bâle une formation pour guides de musées. Le plus souvent, les tours sont organisés pour les enfants, mais il y a toujours davantage de programmes pour adultes. Aujourd’hui, dans les vernissages, on peut se montrer. Autrefois lieux de contemplation et de calme, les musées sont devenus des lieux de rencontre et de divertissement.


Museen – Von der Kontemplation zur Unterhaltung

Früher waren Museen ausschliesslich Orte der Bildung. Heute gehört zum Museum der Shop, die Cafeteria, das Restaurant sowie ein gutes Rundumprogramm.

Museen sind in der Regel Orte, in denen Gegenstände an der Wand hängen oder in Vitrinen liegen. Man geht von Saal zu Saal, schaut sich um, bückt sich immer wieder, um die kleinen Legenden zu lesen, hat still zu sein, weil andere Besucher nicht gestört werden sollen. Und bitte ja nichts berühren, weil sich sonst der Museumswärter einmischen könnte. Museen sind Orte der Sammlung. In mehrfacher Hinsicht. Sind Museen auch Orte des Lernens? Sind Museen auch Orte der Unterhaltung und des Vergnügens?

Ich erinnere mich: Immer wenn es regnete und kalt war, dann war die Zeit der Waffen da. «Wir könnten uns heute die Lanzen und die Gewehre anschauen», lautete mein Vorschlag, der eine Zeit lang an Schlechtwetter-Sonntagen Erfolg hatte. Mit der Zeit wusste mein Sohn, wo sich die Hellebarden und Morgensterne befanden, wo die Zweihänder und Degen gezeigt werden, wo die perlmutterbeschlagenen kleinen Dolche und wo die Hinterlader, die Langgewehre mit dem Bajonett, die automatischen Waffen und die Pistolen ausgestellt wurden. Er kannte bald schon die Namen der Waffen besser als ich. Er wusste sogar die Namen der Hersteller und wo die einzelnen Waffenfabriken waren: FN war belgisch aus Lüttich, SIG schweizerisch und gehörte zu Neuhausen am Rheinfall, Remington war nicht nur der Name einer Schreibmaschinenfabrik. Jahre später noch staune ich über uns beide. Ich, der ich nie eine Waffe berührt habe und er, der sich noch heute so gut mit Waffen auskennt, obschon auch er später als junger Erwachsener einen Bogen ums Militär gemacht hat. Nach dem Museumsbesuch machten wir uns auf zu McDonald. Damit war ein Regenkindersonntag wieder gerettet. 

Die «Museumstante»

Ich selber bin in Sachen Museen anders aufgewachsen. In Amsterdam gehörte der regelmässige Besuch der Museen zum Schulunterricht. Die Dame, die jeweils am Eingang auf uns wartete, nannten wir «Museumstante», selten nur gab es einen «Museumsonkel». Wir mussten Buntstifte und Papier mitnehmen. Memling und Jan Steen, Rembrandt und Rubens, Klee und Kandinsky waren Stationen auf dem Weg durch die unendlich vielen Säle der Amsterdamer Museen. Wir sassen auf dem Boden, die «Museumstante» erklärte und stellte Fragen. Und auch wenn wir diese Stunden nicht sonderlich liebten, die Namen und Bilder sind haften geblieben. So fest, dass ich noch heute beim Besuch eines Kunstmuseums immer wieder Bilder zu Namen von Malern zuordnen kann. Dass ich weiss, worin sich gotische Malerei von derjenigen der Renaissance unterscheidet, habe ich den Jahren mit den «Museumstanten» zu verdanken. Und dass ich mich bei einem Besuch einer fremden Stadt nach dem örtlichen Kunstmuseum erkundige, ist gewiss auch den frühen Erlebnissen in den Museen meiner Schulzeit zu verdanken. Museumsbesuche der frühen Schulzeit galten der Bildung und trugen späte Früchte.

Museen sind Bildungsorte. Eindeutig. Dass sie etwa im Kanton Bern – ähnlich den Bibliotheken – organisatorisch der Erziehungsdirektion zugeordnet sind, ist kein Zufall. Museen sind Orte, die man aufsucht, um etwas zu erfahren. Wer über den letzten Bär en der Schweiz erfahren will, der sucht das Bärenmuseum im abgelegenen S-charl im Unterengadin auf. Wer sich mit der Textilindustrie in der Schweiz befasst, der besucht das Textilmuseum in St.Gallen. Wer erfahren will, wie die Ureinwohner Nordamerikas gelebt haben, dem steht in Zürich ein Spezialmuseum offen. Die Schweiz, das Land mit der angeblich höchsten Dichte an Museen pro Einwohner, bietet jedem in fast jedem Bereich das geeignete Museum. Und alle diese Museen bieten Führungen an und gedruckte Führer und Kataloge und Bücher, in denen das Gezeigte erläutert wird. In Basel werden heute Museumspädagogen ausgebildet. Zumeist bieten sie zwar Kinder- und Jugendprogramme an. An der Bundesakademie im deutschen Wolfenbüttel werden Weiterbildungslehrgänge für Museumsleute angeboten, die in Museen mit Erwachsenen arbeiten. Immer zahlreicher sind die ausstellungsergänzenden Programme für Erwachsene. Die Fotostiftung Schweiz bietet gemeinsam mit dem Literaturhaus Zürich Veranstaltungen an, in denen Fotografie und Literatur in den Dialog treten: Fotograf Lukas Felzmann aus den USA und Literaturwissenschaftler Iso Camartin unterhalten sich vor Felzmanns Bildern über dessen Fotografie und deren Beziehung zur Sprache. Magnumfotograf Peter Burri und Schriftsteller Dieter Bachmann diskutieren vor Publikum über die Beziehung von fotografischer und geschriebener Erzählung. Die Veranstaltung zum Thema ergänzt die Führung zur Ausstellung.

Der Trend zum Event 

Museen sind aber noch mehr. Die Museen haben sich dem Trend der Events nicht entziehen können. Wenn im einzigen Museum des vorarlbergischen Hohenems eine Ausstellung eröffnet wird, dann gehören Bagels, Weisswein und türkische Spezialitäten zur Vernissage. Hier trifft man sich, unterhält sich, zeigt man sich. Museum als Treffpunkt. Wenn in Basel etwa die «Lange Nacht der Museen» stattfindet, dann ist wirklich fast ganz Basel in den Museen anzutreffen. Busse und Trams sind dann nachts von einem Museum zum nächsten unterwegs, denn schliesslich sollen die Nachtschwärmer möglichst viele Museen besucht haben. Am Montag nach der Museumsnacht zeigt dann die örtliche Zeitung, wer wo wann in den Museen zu sehen war. Und die Prominenz war da, ganz gewiss. In Amsterdam werden Kanalfahrten von einem Museum zum nächsten angeboten. Der Museumsbesuch soll schliesslich mehr sein als die blosse Bild- und Objektbetrachtung. Museen sind heute mehr als Orte der kontemplativen Betrachtung. Wenn in Winterthur im Kunstmuseum am Sonntagvormittag Musik aus der Zeit einer Kunstepoche vor den entsprechenden Bildern gespielt wird und dazu noch Gedichte oder Erzählungen aus der Zeit vorgelesen werden, dann kommen die Besucher auch wirklich. Im Museum lässt es sich immer häufiger trefflich unterhalten. Wenn im Freilichtmuseum Ballenberg im Kanton Bern Kursprogramme ausgeschrieben werden, die mit dem dort Gezeigten zu tun haben, dann finden sie auch so regen Anklang, dass ein Museum plötzlich nicht mehr zu einem subventionierten Betrieb wird, sondern Museumsaktivitäten sogar Rendite abwerfen.

Zu Museen gehören immer häufiger Läden, in denen museumsnahe Produkte und geeignete Geschenkartikel verkauft werden: Bücher und Tücher, Plakate und CDs, T-Shirts und Bleistifte, Ansichtskarten und Taschen. Museumsshops sind heute aus modernen Museen nicht mehr wegzudenken, auch wenn die Bleistifte mit dem Aufdruck Guggenheim Museum New York sich nur noch in der Prägeschrift von den Bleistiften des Metropolitanmuseums unterscheiden. Museen sind zwar primär Bildungsorte, in denen nach einem Thema gesammelt und belehrt wird. Museen sind aber auch zu wahren Treffpunkten und Orte der Unterhaltung geworden. Kein Museum, das etwas auf sich hält, wird heute mehr ohne eine gute Cafeteria oder ohne ein Restaurant auskommen. Den Weg zeigten zunächst die amerikanischen Museen. Das Whitney Museum of Modern Art in New York war Vorbild, weil hier vorzügliches Essen, ausgesuchte Weine und gute Bedienung mit einem Besuch in einem architektonisch besonders ansprechenden Gebäude kombiniert werden kann. Museumsarchitektur hat Museen zu Eventorten gemacht, zu Musts schlechthin: Renzo Piano, Herzog & De Meuron, Daniel Libeskind, Diener und Diener, Mario Botta: sie alle haben Orte konzipiert, die man schlicht besucht haben muss. Das Tropenmuseum in Amsterdam hat sein Restaurant zu einem Ort ausgebaut, in dem Spezialitäten aus Übersee von besonders geschulten Köchen zubereitet werden. Konzerte mit Musikern aus Mali und der Türkei und indonesische Reistafel oder afrikanische Speisen locken ins Museum, in dessen Museumsboutique kostbarer Schmuck und Originalkunst aus Afrika eingekauft werden können. Die Museumsinsel Hombroich nahe Neuss hat einen eigenen Weg gefunden, bei dem Bildung und Vergnügen kombiniert werden können: Wer hier eine Eintrittskarte löst, spaziert zunächst durch schöne Natur von einem Museumspavillon zum anderen. Am Schluss erwartet die Besucher ein Museumsrestaurant mit einer Auswahl an Broten, Konfitüren und anderen Brotaufstrichen, wo man sich vom Rundgang erholen kann. Museen, früher Orte der Kontemplation und der Stille, sind zu Orten geworden, in denen man sich trifft und unterhalten lässt.
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